





(M)Ein fast gewöhnlicher Einkaufstag
03. August 2009
Rudi Carel
alias Rentengeld
Braunschweig
(M)ein fast gewöhnlicher Einkaufstag...
Woche für Woche stehen Einkäufe an. Da macht sich jeder so seine Gedanken, was, wie, wo, wann einzukaufen ist, aber kaum jemand fragt sich, welche Erfahrungen damit verknüpft sein können und was man persönlich daraus lernen kann, warum auch ? Es ist ja eben so gewöhnlich, dass man sie fast gar nicht mehr bewusst erlebt....die alltäglichen Dinge des Lebens !
Ich erkenne immer wieder, dass Einkaufen eigentlich ein Mehrkaufen ist. Sie wissen, was ich meine. Es gibt nun mal Dinge, an denen einfach niemand vorbeikommt, es sei denn, man hat eine Harz IV-Diät hinter sich. Nicht nur der Einkaufskorb wird schmaler, auch die Gesichtszüge lassen nach, die Konfektionsgröße schrumpft, Kilos weniger. Die Wahrheit aber liegt zwischen den Objekten und das körperliche Erscheinungsbild schlägt bei ungesunder Nahrungsmittelwahl meist wieder sehr schnell ins Gegenteil um. Entschuldigen Sie bitte diesen Sarkasmus, als Beobachter meines Gleichen weiss ich, wovon ich spreche. Zum Glück besitze ich auch ein wenig nützliche Bildung und täglich wird es mehr...
Ja, heute ist Montag, der 03. August 2009
und ich fahre gerade in der Straßenbahn auf dem Weg zum Einkauf, hier in Braunschweig
. Ich finde es immer wieder interessant, was sich innerhalb einer 10 minütigen Fahrt so alles in meinem Kopf abspielt. Hier sitze ich nun in der ersten Reihe und bin fast immer live am Puls der Ereignisse, wären da nicht diese vielen Einkaufsgedanken, die mich immer mal wieder gerne träumen lassen. Allerdings sollte man das nicht zu sehr übertreiben, denn durch solche zeitlich unpassenden Tagträumereien verpasste ich schon ein mal den rechtzeitigen Ausstieg und fuhr beinahe bis zur Endstation. So eine Fahrt kann schon ziemlich teuer werden, wenn zudem auch noch die Gültigkeit des Fahrscheins erlischt. Das Ganze Hin und Her wirft eine Erinnerung an meine Oma ins Geschehen, die vor allem in den Herbst/ Winter Monaten Probleme mit der Rückkehr zu ihrer eigenen Wohnung hatte. Wenn es draußen stürmisch war, brauchte sie mitunter 2 Anläufe, um ihre Haustür zu „treffen“. Ich hoffe inständig, dass so etwas nicht erblich ist. Zur Not gibt’s ja in der Nähe eine Apotheke und auch Ärzte, um die Prellungen und Abschürfungen etwaiger Knie und Ellenbogenverletzungen eines Sturzes zu behandeln. Sie lachen ?! Ist alles schon vorgekommen. Nun...heute passiert ihr das nicht mehr, da sie bereits seit einigen Jahren auf dem Friedhof liegt. Jetzt fragen Sie sich wohl, was das hier für eine Gegend ist, in der ich wohne ? Nein, nein, ich kann Sie beruhigen, die alte Dame starb an Altersschwäche.
Gerade schaue ich aus dem Fenster und sehe schon die großen Werbeschilder vom Megaeinkaufsmarkt herannahen. Zeit den Fahrer anzuklingeln. Kurz gedrückt, der Haltewunsch leuchtet. Ich konzentriere mich auf meinen Chip, um auch gleich einen Einkaufswagen zu ergattern. Vielleicht kennen Sie das Phänomen bei der Auswahl eines solchen Vehikels. Nicht alle funktionieren gemäß ihres ursprünglichen Zweckes, als vielmehr in Folge gewaltsamer Einflüsse, den Kunden mit einer Nichtfunktion nachhaltig zu ärgern. Teils demoliert, sperrig, verpeekt, klebrig, zu niedrig, zu klein, zu groß. Ich habe den Trend aufmerksam über Jahre beobachtet und muss sagen, der Service ist mittlerweile ganz OK und die Einkaufswagen in fast durchweg brauchbarem Zustand. Man achtet wieder auf Etikette. So geht es dann... geradewegs durch den automatischen Eingang, durch diese Art heiligen Schrein mit den typischen Schiebeglastüren. Ich kann Ihnen nur raten, nicht zu schnell und nicht ohne vorherige Öffnungszeitenkontrolle da durch zu wollen, sonst ergeht es Ihnen so wie mir. Es hätte schlimmer kommen können, während meine sportlichen Umrisse ein schönes Denkmal für die nachfolgende Kundschaft doch hätten hinterlassen können !
In der Verkaufshalle, wo man hinschaut Waren über Waren, soweit das Auge reicht. Für jeden etwas dabei. Nur das Schlaraffenland mag da noch schöner sein, denn dort bezahlt man weder in Dollar noch in sonstiger Währung. Aber in unserer Welt sprechen die Preise für reale Verhältnisse, die Wirtschaft lahmt. Eine Mischung aus Inflation und Deflation regieren die Preise und münden in einer Stagflation. Dem Kunden sei es doch egal, Hauptsache Qualität zum günstigen Preis und ich überlege mir, was ich kaufen würde, wenn.... ja, wenn mehr Geld da wäre, dann...!
Für jeden Cent bekommt der Kunde hier feste Materie, einen festen Gegenwert. So erweist sich ein jeder Einkäufer als Alchemist und Physiker zugleich, wo doch immer von Liquidität = flüssig sein die Rede ist. Also schön... sind wir flüssig, so wandeln wir in fest. Am Besten fange ich gleich damit an, bevor ein Taschendieb die Flüssigkeit aus meiner Tasche hochgradig verdampfen lässt.
Die Routine beim Einkauf erübrigt den Spickzettel. Ich weiss, was ich zum Leben brauch und welches Regal ich ansteuern muss. Der Hindernislauf kann also beginnen. In Schlangenlinie gekonnt vorbei, am gleich gesinnten Publikum, halb rechts um die Kurve und schon steh ich vor dem Brotregal. Was nehme ich dieses mal bloß ? Geschnitten, oder im ganzen Stück, helles oder dunkle Brot ? EU-Bio, oder normal ? Die Qual der Wahl, aber der Nährwert gibt den Ton an, also greife ich zum Schwarz- und Vitalbrot, gesund muss es sein und dann auf zum nächsten Regal, ein paar Reihen weiter vorne, winkt ja bereits meine Lieblingsmarmelade. Auch bei meinen Mitmenschen sehr begehrt, erweist sich der Stellplatz als fast leer gekauft. Nur noch 1 Glas vorhanden, jetzt heisst es Gas geben, damit mir nicht einer das leckere Etwas vor der Nase wegschnappt, denn im Laden ist es voll, für einen Montag Vormittag aber ganz normal.... - Gott sei dank, sage ich da nur, heute sind hier überwiegend die Damen und Herren der älteren Semester vertreten, kein Grund also für übertriebenes Konkurrenzgehabe.
Zwei Schritte noch entfernt, endlich da, mein Herzschlag beruhigt sich schnell, von dem kleinen Sprint ans Marmeladenregal, wäre da nicht diese alte Oma, die nach meinem letzten Marmeladenglas greift. Mein Blutdruck steigt, der Kopf ist rot, aber alte Leute schuppst man ja nicht, also komm ich mit Strategie; ich will unbedingt diese Marmelade ! Mit Ablenkung sollte es klappen, also frage ich die alte Dame wie spät das ist und bringe meine Bewunderung über ihr jungendliches Aussehen zum Ausdruck. Bingo ! Es hat geklappt, auf halben Wege, der Griff ins Regal, lässt Sie von ihrer Beute ab und schaut mich lächelnd an. Während sie mir pflichtbewusst die Uhrzeit predigt, ergreife ich unbemerkt ihres Blickes die Gelegenheit, das hoch begehrte Marmeladenglas sicher in meinen Einkaufswagen zu jonglieren. Jetzt aber schnell weg, bevor sie den Betrug bemerkt !
Die Reise durch den Megamarkt geht weiter, dies und das ist noch zu kaufen und wie überall im Leben wird man am Ende dann schließlich doch zur Kasse gebeten. Die Bilanzen müssen ja stimmen und die Angestellten bezahlt werden. Also auf zur Kasse, ein weiteres Wettrennen bahnt sich an, welches durchaus Verlaufsformen kämpferischer Auseinandersetzungen annehmen kann. Man übt sich halt am Leben, während die Erfahrungs-Palette länger und länger wird. Vielleicht sollte ich künftig Selbstverteidigungs-Seminare für angehende Profi-Konsumenten veranstalten, mit besonderes Augenmerk auf die Konfliktbewältigung mit notorischen Kundenvertreibern. Ich meine die, die sich hinter einem platzieren und mit gewissen Auffälligkeiten die übrige, vor ihnen stehende Kundschaft, durch dichtes Aufrücken, extremen Mundgeruch- oder Knoblauch-Körperdünstung, absichtlich vergraulen wollen. Eine Dunstabzugshaube wäre da schon manches mal wünschenswert gewesen.
Wie dem auch sei, die Waren müssen früher oder später aufs Laufband, was mich an eine spaßige Unterhaltungssendung mit Rudi Carel
aus den 70ern erinnert. Meine Einkäufe sind immer sehr übersichtlich und mit seltenen Ausnahmen auf das Notwendigste fürs Leben und auf die Gesundheit getrimmt. Was mich aber fast jedes Mal aufregt, ist diese allgemeine europäische Abschiebementalität in den Verkaufsläden. Ob gehbehindert, oder nicht, ob jung oder alt, der Kunde soll in möglichst kurzer Zeit, möglichst viel an Waren in den Einkaufswagen packen, möglichst schnell bezahlen und dann Tschüss. Wenn es nicht schnell genug geht, zeigt sich das Verkaufspersonal mit einem aufgesetztem Grinsen genervt. Damit aber nicht genug... schließlich muss man auch noch beim Wechselgeld aufpassen, da manche Kassen in wahrsten Sinne des Wortes in Blüte stehen! Nun, auch hier wurde inzwischen das Personal geschult und angewiesen, verstärkt auf den Schwarzen Peter zu achten. Wer sich als Kunde Monopolygeld andrehen lässt, hat selber schuld. Trotz dieser Gefahr zahle ich immer bar-cash, von diesen Kartenzahlungen war ich noch nie sehr begeistert, zumal die Lesegeräte häufig aus chinesischer Produktion stammen, womit bei jedem Einkauf auch gleich automatisch und vom Kunden unbemerkt eine vollständige Datenkopie meiner Rechnung via Internet an die dortigen Herstellerfirma gesendet wird. Totale Kontrolle !
Nachdem nun die Rechnung beglichen ist, wird eingepackt und der Weg nach Hause angetreten. In der Straßenbahn hab ich wieder Zeit und Ruhe, den heutigen Einkaufstag als erfolgreich zu bewerten - , ....mit der sicheren Erkenntnis: Einkaufen ist wie Sex, denn am Ende geht man mit prall gefüllter Tüte aus dem Laden. Was bleibt ist die Erinnerung an ein paar Minuten Glücksgefühl, welches sich ganz bestimmt jede Woche wiederholen lässt. Kein Wunder also, dass hier so viele Leute einkaufen gehen.
In diesem Sinne liebe Leser und Zuhörer wünsche ich Ihnen ebenfalls schöne und erlebnisreiche Einkaufstage.
Ihr
alias Rentengeld
Autor: Rentengeld
Datum: 01.01.2010 - 01:00
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