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Meine Erste Reihe Geschichte Teil2

Meine erste Reihe Geschichte Teil 2:

Am Ende des ersten Teiles meiner Geschichte schrieb ich, dass ich zum Zeitpunkt des Todes meines Vaters (1990) schon wieder in dem kleinen hessischen Städtchen lebte in dem ich 1946 zur Welt kam. Aber sicher können die Leser der ersten Geschichte sich daran erinnern, dass 1951 meine Eltern mit mir von Hessen nach Thüringen zogen. So ging ich in Thüringen zur Schule absolvierte meine Berufsausbildung zum Elektromonteur mir Erfolg.
Zwischenzeitlich hatte die DDR die Grenzen dicht geschlossen. Eine Rückkehr nach Hessen fast unmöglich. So heiratete ich 1968 und wurde dann in den Jahren 1969 und 1970 stolzer Vater von 2 Kindern. Mittels Abendschule bzw. Fernstudium machte ich noch meinen Handwerksmeister und ein Studium mit dem Abschlussipl.Ing.Elektrotechnik. Meine Eltern stellten nach dem mein Vater schwer erkrankt war einen Übersiedlungsantrag zurück nach
Hessen der auch relativ schnell genehmigt wurde. Das Alter meines Vaters und sein Gesundheitszustand machten diese Entscheidung den Behörden leicht.Schließlich konnte man somit Rente und Krankenkosten sparen.
Für meine Eltern waren wiederum die besseren medizinischen Möglichkeiten im Westen das Motiv zu diesem Schritt. Auch gab es ja da auch immer vitaminreiche Früchte wie Grapefruit, Orangen und andere Zitrusfrüchte die bei einer
schweren Diabetes sehr hilfreich sein können. Natürlich dachten auch wir,meine Familie und ich daran den Eltern zu folgen. Aber zu dieser Zeit reichte unser Mut noch nicht aus einen Ausreiseantrag zu stellen. Die Kinder waren in der Schule, meine Frau arbeitete als Verkäuferin und ich hatte eine Führungsaufgabe in einem mittelgroßen Betrieb. Wir bewohnten eine 4 Zimmer Wohnung in einem Plattenbau, hatten einen Trabbi - also ging es uns ja recht gut.

 Der Gesundheitszustand meines Vaters wurde für meine Mutter eine immer größere Last. Im Dezember 1985 wurde er 75 Jahre. Aus diesem Anlass beantragte ich eine Besuchsgenehmigung. Nach vielem hin und her bekam ich
dann 2 Stunden vor der Abfahrt des Zuges meinen Reisepass. Den Koffer hatte ich vorsorglich schon gepackt. Ein Kollege stand mit dem Auto bereit um mich zuerst nach Hause und dann mit dem Koffer zum Bahnhof zu fahren.
Und so kam ich erstmalig nach 34 Jahren in den Ort in dem ich geboren wurde und die ersten 5 Jahre meines Lebens verbracht habe. Ich konnte die Tränen nicht verbergen. Einiges erkannte ich wieder, anderes war nicht mehr in meiner Erinnerung. Als erstes viel mir auf,dass die Menschen anders waren.Hier insbesondere bereits bei derGrenzabfertigung. Während auf der DDR Seite die Grenzsoldaten in preußischer Manier, den Stempelkoffer vor dem Bauch mit steinerner Miene ihre Arbeit machten wurde mein Pass auf der BRD Seite nur kurz in Augenschein genommen. Lustige ,lockere Beamte wünschten mir schöne Tage. Also ein grasser Gegensatz zu den Ritualen der anderen Seite.Diese angenehme Atmosphäre spürte ich auch in vielen anderen Situationen.
Freundlichkeit in den Geschäften, Dienstleistungsbetrieben und Ämtern.
Da herrschte in der DDR ein wesentlich rauerer Ton. In den insgesamt 7 Tagen lernte ich in vielen Gesprächen mit den unterschiedlichsten Menschen, dass das Bild das uns über die sogenannte BRD vermittelt wurde absolut der Realität
widersprach. Vor meiner Abreise hatten meine Frau und ich miteinander vereinbart das ich nicht zurück in die DDR kommen sollte ,sondern das ich ein neues zuhause im Westen vorbereite und sie mit den Kindern im Rahmen eines
Ausreiseantrages auf Familienzusammenführung nachkomme.
Auch das besprach ich während meines Besuches 1985 mit Freunden die viele Jahre vorher in den Westen geflüchtet waren und dort lebten.
Sie rieten mir, meine Familie nicht den zu erwartenden Repressalien alleine auszuliefern sondern zurückzureisen und es gemeinsam auszustehen. Das tat ich dann auch.

Bereits am Grenzbahnhof Gerstungen spürte ich das ich wieder zurück war im Arbeiter- und Bauernstaat. Das Zugabteil in dem ich saß musste von den anderen Mitreisenden verlassen werden. Nur ich blieb. Jedes Gepäckstück
durfte ich ausräumen. Eine Fernsehzeitung mit dem Weihnachtsprogramm wurde mir abgenommen. Eine Goldkette die ich für meine Frau bei Eduscho für 50,00 DM erworben hatten musste ich von der schönen Geschenkverpackung
befreien (also aufreißen) und 140,00 Ostmark Zoll bezahlen. Und das alles natürlich im bekannten Befehlston. Also ich war wieder zuhause aber ich fühlte mich ab diesem Tag nicht mehr wie richtig zuhause.
Eine Woche später ,am 28.12.1985 gaben wir unseren Ausreiseantrag ab. Es folgten knapp 3 Jahre die so alles beinhalteten was möglich war. Sofortige Entlassung im Betrieb, Hausarreste an Staatsfeiertagen, Androhung von Haft bei jeder Gelegenheit, Demütigungen gegenüber unseren Kindern und viele andereDinge.

 Ich arbeitete dann bei der evang. Kirche. Eine Tätigkeit im Diakonischen Bereich die mir viele Erfahrungen bei der Arbeit mit körperlich -und geistig behinderten Menschen bescherte. Nachträglich Danke an die Personen die mich als sogenannten Antragsteller beschäftigt haben.
Im Oktober 1988 durften wir dann ausreisen. Und so lebe ich mit meiner Familie in dem kleinen hessischen Städtchen in dem ich 1946 geboren wurde.
Und wir leben hier sehr gerne.




Autor: Scholli64

Datum: 01.01.2010 - 01:00

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