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Studieren mit 50

Studieren mit 50?

Aber ja, entsprechend dem demographischen Wandel bin ich doch schließlich keine alte Frau, sondern habe gerade Halbzeit gefeiert!
Also, ich arbeite sehr gern in meinem Beruf als freie Hebamme, den ich seit 1982 ausübe.
So lange ich denken kann wollte ich am Tor zur Welt arbeiten! Wenn der Anfang gut und harmonisch verläuft, ist das eine wichtige und wertvolle Lebensgrundlage.
Sehr früh habe ich mich mit Meditation und Entspannung beschäftigt und habe den Wunsch entwickelt, Frauen und Paaren in dieser besonderen Zeit des Elternwerdens zur Seite zu stehen und sie ganzheitlich und ganzzeitlich zu begleiten.
Lange Zeit habe ich in der WG- und Hippi-Szene gearbeitet, Hausgeburten in Bauwagen und an exotischen Plätzen begleitet.
Nach den Hausgeburten meiner eigenen Kinder habe ich ein Geburtshaus gegründet – wenn die werdenden Eltern zu mir kamen, konnte ich als alleinerziehende Mutter weiter berufstätig sein.
Nun stellen die meisten Menschen sich auch heute noch eine Hebamme als alte Frau mit Holzhörrohr und Hebammenkoffer vor, oder fragen, ob es diesen Beruf überhaupt noch gibt.
Unverändert ist die Leitung der gesunden Geburt und die Überwachung des Wochenbettes eine den Hebammen vorbehaltene Leistung. In der Schwangerschaft kann die werdende Mutter wählen, ob sie von einer Hebamme und/oder von einem Arzt/Ärztin betreut werden möchte.
Jetzt soll unser Beruf akademisiert werden, die zukünftigen Hebammen werden studieren.
In unserer Fachzeitung wurde dann ein Fernstudium in Österreich angeboten, zu dem ich mich prompt angemeldet habe.
Was für ein Abenteuer, von Zeit zu Zeit zur Uni reisen, mit anderen Hebammen auf den neusten wissenschaftlichen Stand gebracht werden und im fortgeschrittenen Alter das Campusleben zu genießen.
Natürlich fiel uns allen das Lernen zunächst schwer, die grauen Zellen mussten erst mal in Schwung kommen, aber es ist so eine Bereicherung für mich und auch für meine Familie.
Die Vorlesungen, die Gespräche mit den Professoren, die ungewohnte wissenschaftliche Sprache, die Aufregung vor Prüfungen und die Erledigung von Hausaufgaben – und das neben der freiberuflichen Hebammenarbeit und den sonstigen familiären Verpflichtungen.
Diese Herausforderung wirkt wie ein Jungbrunnen und ich spüre eine neue Vitalität und Lust noch viel mehr zu lernen und das Gelernte weiter zu entwickeln, empirische Sozialforschung zu betreiben und arbeite jetzt an meiner Masterthesis.
Durch meine Berufserfahrung habe ich eine gute Intuition entwickelt, ein „Bauchgefühl“.
Jetzt kommt durch das Studium eine Verstärkung der kognitiven Ebene und beide Ebenen zusammen bringen mich in die Mitte. Da wird eine neue Kraft freigesetzt.
Durch meine Lebenserfahrung kann ich mit dem neuen Wissen anders umgehen als zum Beispiel meine studierenden Kinder.
Und schließlich habe ich noch viele Berufsjahre vor mir…
Es ist eine so wunderbare Erfahrung, dass ich allen Leuten nur empfehlen kann, dem Ruf des Herzens zu folgen wenn sich eine entsprechende Möglichkeit ergibt!



Autor: Angelali

Datum: 01.01.2010 - 01:00

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