





Einkaufen früher
Wir gingen also zum Kolonialwarenladen. Was das ist? Wie alle westlichen Länder hatte auch Deutschland Kolonien und die Waaren (damals so geschrieben) waren eben Kolonialwaren.
In den Geschäften sah es früher folgendermaßen aus: Durch das Öffnen der Tür wurde eine an ihr angebrachte Glocke durch einen an der Tür angebrachten Schlegel angeschlagen. Dann kam die Verkäuferin bzw. der Verkäufer aus ihrem Hinterstübchen. Sie waren entweder Eigentümer oder Pächter. Im Kundenraum befand sich nicht viel, aber meist ein Stuhl für müde Kunden, und im Schaufenster konnte man sowieso in reicher Auswahl sehen, was es hier zu kaufen gab.
Zucker - er gehörte zu den Kolonialwaren, denn obwohl er inzwischen schon aus Zuckerrüben hergestellt wurde, war seine Heimat in Übersee, nämlich von dort, wo er aus Zuckerrohr hergestellt wurde. Ab und zu bekam ich ein Stück sogen. Süßholz gekauft, lang wie ein Bleistift. Darauf kaute ich, wenn ich mal wieder beim Lesen saß.
Hinter dem Verkaufstresen waren an der Wand Unmengen von Schubladen und in diesen Schubladen befand sich z.B. der Zucker. Er wurde, wenn man ein Pfund (1/2 kg) kaufte, mit großer Schaufel in eine blaute Tüte gefüllt. Neben der Waage war ein Holzkästchen, in das die verschiedenen Gewichte eingepasst waren. Damals konnte man also nicht nur ½ kg, sondern auch in Spitztüten ¼ kg kaufen. Nebenbei, das war auch nötig, denn die Löhne wurden wöchentlich ausgezahlt und zwar in bar in einer Lohntüte. Darauf war auch die Abrechnung vermerkt.
Dann gab es dort Rosinen, auch selbstverständlich lose und sogar in verschiedenen Sorten. Damals wurden sie geschwefelt, es gab ganz helle, die in der _Suppe prall und dick wurden. Und Tee. Und Pfeffer und auch Mehl. Echten Sago aus der Sagopalme, nicht solch gepappe wie jetzt. Er wurde in der Milchsuppe glasklar. Nebenbei wurde ein Schwätzchen gehalten über die werte Familie, Ereignisse in der Straße.
Einkaufsbehälter waren Körbe oder Netze. Plastik(tüten) gab es noch nicht. Dann wurde ein schmaler Block genommen und sorgfältig die Preise notiert und addiert, die Registrierkasse mit einer Kurbel geöffnet und das Geld hinein gelegt. Beim Öffnen und Schließen der Kasse klingelte die Kasse. Je nach Reichtum des Besitzers waren diese Metallkassen üppig mit Ornamenten und Reliefs verziert.
Es gab auch Kaneel und Zimt. Man kaufte eine Stange Kaneel; er kam in Milchsuppen, die dann köstlich schmeckte. Natürlich wurde die Stange vorm Servieren entfernt.
Dann gingen wir ins Gemüsegeschäft.
Da werden Sie sich vergeblich nach Paprikas, Kiwis, Mangos und dgl. Umsehen! Es wurde in der Familie erzählt, dass eine Verwandte aus Berlin kurz vor dem 1. Weltkrieg die ersten Tomaten mitbrachte.
Meine Mutter, als armer Witwe Kind, ging bzw. wurde von der Schule zu reicheren Leuten zum Frei-Mittagessen geschickt. Dort aß sie ihre erste Tomatensuppe ihres Lebens, die sie gleich wieder zur Toilette brachte; dafür wurde sie als undankbar beschimpft.
Nun also wollen wir uns weiter im Geschäft umsehen, so wie wir es vor dem 2. Weltkrieg erlebten.
Natürlich waren auch hier die Schaufenster gefüllt mit all den Köstlichkeiten. Heimisches Obst und Gemüse gab es ausschließlich der Saison entsprechend, also nichts mit Spargel und Erdbeeren im Winter, dafür hatten wir echte Freude, wenn es soweit war. Das ganze Jahr über gab es Eingemachtes in Konservendosen. Im Verkaufsraum stand ein Fass mit Salz, eines mit Gewürzgurken, ein Fass mit Sauerkraut im Winter, ein Fass mit Salzbohnen. Das waren breite, in feine Scheiben geschnittene Bohnen, die in Salz eingelegt waren und zu Hause gewässert und mit Fleisch zum Eintopf gekocht wurden.
An der Wand hing ein weißer, mit Senf gefüllter Porzellanbehälter .Wenn der Verkäufer an einem Knopf zog, öffnete sich unten der Behälter und aufs Pergamentpapier kam die gewünschte Menge. Einmal ziehen = 5 Pf..
Dann war da noch ein größerer Behälter, in dem sich Essig befand. Für den Kauf brachte man sein Flasche mit. Unterhalb des Hahnes war der Steinfußboden zu einer Kuhle verätzt. Also – Eine! Sorte Essig, eine! Sorte Senf.
In einigen Geschäften gab es eine riesige Flasche Maggi, aus der man seine nachfüllen konnte. Dann standen im Verkaufsraum Holzkisten mit verschiedenen Sorten Äpfeln, Birnen und in Kisten aus dünnen, spanartigem, mit Krampen verbundenen Holz (damit Luft herein kam), Apfelsinen verschiedener Sorten. Diese Kisten wurden in Übersee gefertigt. Das Holz holten wir gerne als Anmachholz für die Öfen und wir Kinder waren scharf darauf, das feine, zu Kordeln gedrehte Band zu bekommen, mit denen die Kisten verschnürt gewesen waren; das brauchten wir zum Kreiselschlagen.
Nun der Ladentisch, die Theke. Oberhalb von ihr befand sich eine Stange, daran waren Haken wie der Schlachter sie noch benutzt und daran hingen zwei ganze Bananenstauden!
Autor: elbe1
Datum: 01.01.2010 - 01:00
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