





Nicht die Zeit vergeht, sondern wir vergehen!
Die Autos sausten hin und her an mir vorbei; so viele Marken und Farben. So habe ich es mir nicht einmal in meinen Träumen vorgestellt. Wir, Lica (ein Freund) und ich, hatten gerade in einem Maisfeld übernachtet. An jenem Oktobertag betrat ich zum ersten Mal in meinem Leben ein Westeuropäisches Land
. Ohne Pass, ohne Eltern, und ohne Freunde im einem fremden Land aber mit einem glücklichen Gefühl: „Endlich frei“ Das ist das Land meiner Freiheit!
Ich bin Oktober 1985
aus Rumänien geflüchte
t. Eine spannende Angelegenheit, die viel Risiko in sich hat. Nicht jeder riskiert solche traumatische Erlebnisse, damit er die Freiheit genießt. Man kann schon dort leben wo man lebt. Es ist vielleicht nicht alles ideal, aber es geht. Ich behaupte, dass ich mit meiner Familie auch in Rumänien überlebt hätte. Aber der liebe Gott hat mir gezeigt, dass er etwas anderes für mich vorhat und dafür bin ich Ihm dankbar. Aber wir sind alle Wanderer. Keiner bleibt hier länger als 100 Jahre. Unterwegs durch die Zeit. Nicht die Zeit vergeht, sondern wir vergehen! Die Frage ist, was mache ich mit meiner Zeit?
Ich habe mir auch in meiner Träume nicht vorgestellt, wie es im Westen sein soll. In Rumänien unter der Regierung Ceausescu
hatten wir keine Kontakte nach außen. Der Fernseher strahlte nur 40ger Jahre Filme des Westens aus, sonst priesen die Medien die ganze Zeit nur die „Wundertaten“ von Ceausescu, der damalige rumänische Statspäsident. Es würde in uns der Gedanke „ Rumänien, das Traumland des Ostens“ einbetoniert. Die Politiker behaupteten, dass Kapitalismus tot sei und den Menschen dort sehr schlecht gehe. Keiner glaubte es wirklich, aber niemand hatte den Mut etwas zu verändern. Die Regierung hat langsam durch die Zeit das Land so „versklavt“, dass es nicht leicht war etwas zu unternehmen. Hattest du eine neue Idee? Die Securitate war schon vor deiner Tür. Es ging uns schlecht. Aber nun alles ist vergessen, es hat sich gelohnt. Wir marschierten zu Fuß viele Kilometer durch zwei Grenzen, waren müde, aber glücklich.
Als wir das erste Lebensmittelgeschäft in Österreich
, Wochen später, betraten, waren wir (mein Vater und ich) sprachlos. Wir bekamen gerade unseren „Monatslohn“ vom Flüchtlingslager (ca. 200.- Schilling). So fassten unsere Mut zusammen und trauten uns das erste Billa- Geschäft zu betreten. Wir blickten durch die Regale und waren sprachlos. Wir waren überwältigt von der Fülle und Vielfalt der Waren in dem Regalen. Da gab es Butter in Fülle und Hülle, Verschiedene Sorten vom Brot, Obst, das wir noch nie kannten (Papaya, …) Manche Leser wird wahrscheinlich grinsen, wenn er diese Zeile liest, aber wir kannten das nicht. In Rumänien waren die Regale leer und wenn es etwas gab, ließ es sich an die Länge der Schlange erkennen. Ob Brot, Öl, Milch oder Butter, bildeten sich ellenlangen Schlangen in der Hoffnung was davon zu bekommen. Leider war es nicht genug für alle, sondern nur für die „Braven“, die schon um 4 Uhr in der Früh schon da waren. Heute erlebe ich das nur bei großen Konzerten von berühmten Rockstars. Einmal hatten wir Glück und wir kauften Bananen (zum ersten Mal in 1980). Überglücklich teilten wir sie unter uns. Ehrlich gesagt hatten sie keiner von uns so richtig geschmeckt. Nicht weil sie nicht gut waren, sondern wir kauften sie grün und aßen sie auch so. Wir wussten nicht, dass Bananen auch gelb werden, wenn man etwas wartet. Habt ihr eine grüne Banane gegessen? Wir schon. Unsere Welt war begrenzt. Wir lebten mit dem was wir hatten. Aber wir wussten, irgendwo gibt es eine andere bessere Welt. Aber wie diese Welt aussieht, hatten wir keine Ahnung. Jemand sagte: Wir leben alle unter demselben Himmel, aber wir haben nicht alle denselben Horizont! Unsere Welt ist unterschiedlich und manchmal meinen wir, dass nur unsere Welt die einzige Realität ist.
Doru Tarita
Autor: Teddy7
Datum: 01.01.2010 - 01:00
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