





Ist das tatsächlich das Ende einer „circa“ 2 Jahrzehnte langen Freundschaft?
F. und ich lernen uns bei einer gemeinsamen Ausbildung, in einer damals in der DDR nicht ungewöhnlichen und so genannten Erwachsenen-Qualifizierung zum Kellner kennen. Stattgefunden hat das Ganze u.a. in Berlin-Mitte, eben in Ostberlin.
Wir hatten damals stets die Möglichkeit, „eben mal schnell“, innerhalb von vergleichsweise kurzer Zeit neben dem Job einen weiteren, so genannten Facharbeiter-Brief zu erwerben, sprich also einen weiteren Beruf zu erlernen. Soviel kurz zu den vielfältigen Bildungsmöglichkeiten in der DDR.
F. und ich hegten am Anfang eine eher große Antipathie für einander. Warum, wussten wir später nicht wirklich zu sagen. Wir meinten nur, und das beruhte auf Gegenseitigkeit, der andere wäre über die Maßen eingebildet. Und in gewisser Weise war das auch so. Ausgestattet mit den feinsten Fummeln, erworben in den auch damals üblichen und so genannten Exquisit-Geschäften zu dementsprechenden „exquisiten“ Preisen, passende, sündhaft teure Schuhe an den schon in einigen Monaten bzw. Jahren davor „platt gelaufenen Kellner- bzw. Koch-Füßen“, „Goldgeschmeide“ am Hals, den Armen und weiß ich noch wo und in der Gewissheit, im nächsten Dienst wieder circa 100 DDR-Mark Trinkgeld zu bekommen, trugen wir die jeweils zugehörige Nase, bestimmt unübersehbar, ziemlich weit oben, weiß ich heute. Zwischenfrage: Weißt Du noch, was am Anfang des Satzes stand? Ja? Du bist ja in der glücklichen Lage, erneut zu lesen und somit den Anfang ins Gedächtnis zurück zu rufen, stimmt's?! Ich bitte hiermit um Nachsicht... ich neige öfter einmal zu vermeintlich nicht enden wollenden Sätzen. Es geht schneller so.
Jedenfalls stellten wir einige Zeit nach Beginn der Ausbildung und im Ergebnis uns sozusagen aufgezwungener Zusammenarbeit fest, dass der andere doch irgendwie ganz in Ordnung sei, ja sogar passabel, was bald bis hin zur sprichwörtlichen Unzertrennlichkeit führte. Zumindest für viele, wunderbare Jahre bzw. Jahrzehnte mit Höhen und Tiefen, wie es sich eben bei besten Freunden gehört.
Wir wurschtelten und uns mit viel Spaß und großem Erfolg durch die Ausbildung gemeinsam durch und arbeiteten danach natürlich zusammen, und das in verschiedenen Lokalitäten, verdienten Unmengen von DDR-Geld, auch so manche Westmark und gaben das Geld mit vollen Händen und gleicher Überzeugung nachts mit Vorliebe in Diskotheken und für zahllose Fummel bzw. allerlei unnützem Kram aus. Die Miete meiner winzigen 1-Zimmer-Wohnung im Prenzelberg kostete gerade mal 50 Mark und auch sonst war das „normale“ Leben ziemlich preiswert. Außerdem brauchte ich nicht viel einzukaufen, da ich meist nur zum Schlafen und „Ähnlichem“ nach Hause kam. Die meiste Zeit verbrachten wir in der jeweiligen Gaststätte, in der wir als Kellner oder Büfettier unsere großen Brötchen verdienten, dann nachts in einer angesagten Diskothek oder tingelten irgendwo, wie z.B. an der Ostsee auf Rügen herum. „Was sollte man sonst Sinnvolles mit dem Geld noch tun?“ Ups, hätten wir bloß ein kleines Grundstückchen am Wasser in Köpenicks grünen Oasen oder Ähnliches erworben. Aber wir hatten ja damals nix am Hut mit Arbeiten auf einem Grundstück, im Garten oder womöglich in einem Häusle. Wir wollten eben nur leben. Und das taten wir wirklich ausgiebig.
Nach der Wende trennten sich zwangsweise beruflich unsere Wege, unsere privaten natürlich nicht.
F. wurde langfristig Angestellter eines großen Kaufhauskonzerns. Schleichwerbung „gibt es hier natürlich nicht“, schon gar nicht für einen derartigen „Kramstadt-Laden“, der seine Mitarbeiter nach allen Regeln der „spätkapitalistischen Kunst“ ausbeutet, bespitzeln und mobben lässt. Da meckere noch einmal jemand über die Stasimethoden. Aber das „Ins rechte Licht rücken“ unserer damaligen DDR-Heimat und Entschärfen der so vielen haarsträubenden, über die kommunistische Gewaltherrschaft berichtenden und anderer Gruselgeschichten ist ein Thema für eine oder eher mehrere andere wahre Kapitel mit viel Spaßigem.
Irgendwann nach ein paar arbeitsintensive Jahren Selbständigkeit „legte“ ich mir, statt einem Haus oder Grundstück ein Kindchen „zu“. Das war nicht unbedingt so geplant und so war und ist mein Sohn der schönste „Unfall“, der mir je widerfahren ist. Sprich, er war und ist das beste, was ich je „gemacht“ habe. Ein wunderbares Kind.
Dies veränderte natürlich mein Leben von Grund auf und es ging dann leider mit dem Geldverdienen ziemlich bergab. Die ersten zwei Jahre mit dem damaligen Erziehungsgeld waren noch himmlisch. Ich war allein, wie übrigens bis dato, mit meinem über alles geliebten Söhnchen und es ging uns richtig gut. Trotzdem ging ich gleich von Anfang auf die Suche nach einer neuen beruflichen Orientierung, die ich dann auch nach vielen Hindernissen Jahre später endlich fand, das Internet, sprich e-Commerce.
Unsere Freundschaft, die noch während der Schwangerschaft und in den ersten Jahren wunderbar war, veränderte sich später zunehmend. F. war der erste, der mich im Krankenhaus besuchte, wo man natürlich annahm, dass dies der gut aussehende Vater, passend zum süßen Kindchen sein musste. Naja, ganz so war es denn doch nicht. Wir hätten uns kaputt gelacht beim Zeugen eines Kindes bzw. dem damit verbundenen „Akt“, der zwischen Leuten geschehen sollte, die das auch so wollen, stimmt's?! Es gab einen anderen „Erzeuger“, den ich wirklich sehr geliebt hatte, der aber aus „familiären Gründen“ seiner Vaterrolle nicht recht gerecht werden konnte. Auch das ist wieder eine sehr spannende Geschichte für einen Zeitpunkt wert, wo ich einst ein „bisschen“ Zeit übrig habe.
F. und sein damaliger Freund kümmerten sich so süß um uns beide und wir hatten anfangs viel Spaß zusammen. Sie waren sozusagen die Ersatz-Papas
Aber wie gesagt, änderte sich das mit den Jahren irgendwie schleichend. Das Umfeld und die damit verbundenen Menschen formen uns bekanntlich mit. Zunehmend stellte ich fest, dass wir für unsere Jungs, so nannten wir F. und seinen nun auch schon langjährigen Freund, nicht mehr die Menschen waren, mit denen sie sich vorzugsweise umgeben wollten. Einige andere Menschen, hauptsächlich durch die Arbeit, traten in ihr Leben und veränderten sie offensichtlich ziemlich gravierend. Das klingt ziemlich nach Eifersucht, ich weiß. Man mag es nennen, wie man will. Es war und ist ziemlich schmerzlich.
Ich merkte zunehmend über die letzten Jahre, dass die Themen der Gespräche zu unseren Treffen, die ohnehin immer seltener wurden, nicht mehr die waren, die mich interessierten. Es ging zu oft und hauptsächlich um Materielles. Was rührte mich eine Couch, die gerade eben teuer erstanden war und nun schon wieder ersetzt werden sollte, weil die Farbe dann doch nicht dir richtige war und nicht mehr zu den anderen, geplanten Neuanschaffungen passte. Dies als ein Beispiel von vielen.
Ohne Frage verwöhnten sie meinen Sohn mit Geschenken, „wie es sich eben gehört“ zu entsprechenden Events. Aber das Interesse an seiner Entwicklung, Dinge, wie sein schulisches Fortkommen, sein tolles musikalisches Talent etwa oder vielerlei andere, waren ziemlich uninteressant geworden. Sie unternahmen vorzugsweise mit ihren neuen „Freunden“, die überwiegend gut betuchte Leute sind, Ausflüge, wie ins Kino ( logisch z.B. Harry Potter), Weihnachtsmarkt u.ä. Für uns war hier kaum noch Zeit und Gelegenheit da. Was war nur passiert?
Eigentlich ist das Ganze ziemlich oberflächlich und ohne oder kaum mit dem mir sehr gelegenen Humor erzählt. Aber in Anbetracht der Hektik, in der ich die Geschichte nun eben schnell noch schreibe, damit sie in der „Ersten Reihe“ veröffentlicht wird, der steten Knappheit an Zeit und Geld, was aus unserer sozialen und meiner beruflichen Situation herrührt, beende ich die Geschichte zunächst einmal mit einer Frage an Euch und in der Hoffnung, diese richtig gut, mit dem nötigen Unterhaltungswert, dem mir eigenen Humor (wenn hier auch eher oft Galgenhumor) und vielen tollen erwähnenswerten Begebenheiten neu schreiben kann. Auch hier haben wir wieder einen der erwähnten, viel zu langen Sätze, die mir immer wieder „gelingen“.
Gern werde ich später diese Geschichte mit vielen Details und witzigen Einzelheiten auskleiden, die Dir bestimmt viel Spaß bereiten und Dich hoffentlich oft zum Lachen bringen werden. Aber derzeit fehlt mir wie gesagt der nötige Humor, da mir die Trennung von F. noch sehr weh tut und die Zeit, um derart zu schreiben.
Vielleicht habe ich später doch noch ein Happy End, auf das ich im Stillen wohl immer noch hoffe, für Dich parat.
Dann wird die Geschichte mit Sicherheit unschlagbar gut. Versprochen!
Aber hier nun meine zunächst abschließende Frage an Dich:
Was würdest Du an meiner Stelle tun diese einst so wunderbare Freundschaft betreffend, die nun nach „circa“ 20 ereignisreichen Jahren zu Ende scheint, da wir nicht mehr auf der gleichen Wellenlänge senden, F. und ich?
Autor: anit
Datum: 01.01.2010 - 01:00
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