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Silvester auf Teneriffa

Unser Urlaub zur Jahreswende (2003 - 2004) auf der kanarischen Insel Teneriffa war ein wunderschönes Weihnachtsgeschenk für uns. Ich war dort noch nie zuvor.

Mein Freund und ich hatten uns in dieser einen Woche von der ganzen Insel die schönsten Stellen angesehen. Darunter unter anderem Strände, an dem der Sand – ganz feiner Kies – ganz schwarz war. Es sah seltsam aus, wenn die weißen Füße darauf standen. Das Baden war an diesem Strand, dessen Name mir heute nicht mehr einfällt (wir haben mehrere Orte besucht), streng bewacht. Man wurde ganz schnell aus dem Wasser gepfiffen, wenn man zu weit hinein ging. Die Strömung war sehr stark. Aber in die Wellen zu springen war herrlich!

In Garachico, einem kleinen Fischerhafen, waren wir auch. 1706 wurde dieser idyllische Ort fast völlig zerstört von herab fließender Lava. Nach dem Erhärten der Lava formierte sich eine kleine Halbinsel, auf der Garachico neu entstand. Unter den wenigen Architekturdenkmälern, die diesen Vulkanausbruch überlebt haben, ist das außergewöhnlich schöne und gut erhaltene Schloss 'Castillo de San Miguel'.

Puerto de la Cruz haben wir kurz besucht. Es ist eines der größten Tourismus-Zentren der Kanarischen Inseln. Es ist auch das am längsten etablierte und mit dem größten Angebot auf der Insel Teneriffa. Aber ich war froh, dass wir dort nicht unser Quartier hatten. Es war mir zu viel Trubel hier. Die Altstadt jedoch ist in einigen Teilen sehr hübsch. Ein Großteil der Gegend rund um den alten Fischerhafen ist voller enger Gassen mit Kopfsteinpflaster und kolonialer Architektur. Total sehenswert.

Auf dem 2000 Meter hohen Plateau des Nationalparks Teide waren wir. Ein Phantasie weckender Ort. Dort oben war es kalt. Eine Geschichte für sich könnte ich darüber schreiben...

Am aller schönsten war jedoch Masca, die von den Teno-Bergen bedeckte Nordwestspitze Teneriffas, eine der malerischsten Gegenden der Insel. Ich fühlte mich versetzt in einen Piratenfilm. Wenn da nicht die vielen Touristen gewesen wären. Tiefe Schluchten, die sich mit üppig grüner Vegetation abwechseln, säumen die gewundenen Wege. Die Straße von Buenavista del Norte führt durch viele, enge Haarnadelkurven zum Dorf von Masca. Ich hatte Sorge, es könnte uns auf dieser Straße ein Auto entgegen kommen. Ob wir dann Platz hätten? Ja hatten wir, aber ich hatte ab und zu Panik dabei.

Dieses Dorf, das bis vor kurzem (laut Reiseführer) praktisch unbekannt war, ist eine Attraktion für alle Besucher, die die Insel erkunden wollen. Die spektakuläre Lage des Dorfes mit seinen Häusern, die riskant auf den schmalen Kämmen von beeindruckenden Felsformationen thronen, hinterlässt einen magischen Eindruck. Die als ehemaliges Piratenversteck bekannte Bucht von Masca liegt eine dreistündige Wanderung durch eine atemberaubende Landschaftsszenerie vom Dorf entfernt. Da hinunter stiegen wir. Es war ein anspruchsvoller Abstieg, der so manch eine Frau zum Umkehren zwang, weil sie das falsche Schuhwerk trug.

Wir stiegen Felsen hinab mit Haltegriffen, unter einem Wasserfall hindurch … Abenteuerlich. Ich habe dabei meine schönsten Urlaubsbilder überhaupt gemacht. Unten angekommen waren wir ziemlich fertig. Soviel Klettern ist man ja auch nicht gewöhnt. Aber stolz und glücklich waren wir dabei. Unserem Auge bot sich eine wunderschöne Aussicht auf Meer und Schiff. Die Bucht war wirklich malerisch schön!

Eine Pause war also von Nöten mit einem kühlen Getränk. Wir hatten uns gut informiert und waren ausgerüstet. Doch was wir nicht wussten, war: die meisten Besucher fuhren von der Bucht aus mit einem kleinen Schiff zurück in die Zivilastion. Wir mussten wieder hinauf klettern zu unserem Mietwagen. Ich weiß noch gut, wie kaputt ich dann erst war, aber glücklich, ein so schönes Stück Erde gesehen zu haben.

Zum Silvesterabend blieben wir in Icod de los Vinos. Wir suchten ein Restaurant, fanden aber nicht gleich eines, welches geöffnet hatte. Hier war kaum Betrieb. Wo waren denn hier die Menschen am Silvesterabend, fragten wir uns. Ich wählte ein Gericht, von dem mir niemand sagen konnte, was es war. Hier gab es keine deutsche Karte. Natürlich hatte ich ein Fleisch erwählt, welches noch blutig serviert wurde. Brrrrr – das war nichts für mich. Wir tauschten untereinander aus.

Später gingen wir durch menschenleere Straßen und waren etwas ratlos. Niemand war zu hören oder zu sehen. Wo waren all die Leute hin, die am Tage noch zu sehen waren? Die Palmen waren überall mit Lichtern geschmückt wie bei uns die Weihnachtsbäume. Wir hatten in unserem Rucksack eine Flasche Sekt. Das war unser Trost, falls wir so allein bleiben sollten. So hatten wir wenigstens etwas zum Anstoßen.

Langsam bewegten wir uns auf den Marktplatz zu. Auch hier Stille. Es war schon nach 22.00 Uhr! Keiner da. Kein Restaurant mit fröhlichen Gästen. Keine Bleibe für uns außer die Bank unter der Weihnachtspalme.

Doch plötzlich kehrte sich das Bild des menschenleeren Platzes! An einem Haus gingen die Fensterläden auf. Dort wurde ein weiteres Fenster geöffnet. Überall so ganz plötzlich wie auf Knopfdruck. Jemand machte sich daran zu schaffen, eine Box im Fenstersims aufzustellen. Die Türen und Tore gingen auf. Menschen quollen hervor, die große Tische aufstellten. Das war echt spannend. Uns blieb der Mund offen stehen vor Staunen!

Jemand trug Platten mit Essen und Getränken auf die inzwischen mehr gewordenen Tische. Ein anderer rief etwas fröhlich in die Runde. Immer mehr Menschen strömten aus den Häusern und Gassen. Plötzlich war der Marktplatz gefüllt mit jungen und alten Menschen. Kinder sprangen aufgeregt umher. Die Musikbox weit über unseren Köpfen spielte plötzlich ganz tolle spanische Musik. Die Menschen fingen an zu tanzen. Auch bei mir zuckte nun der Rhythmus in den Füßen. Es steckte mich einfach an, diese spanische Musik und die Fröhlichkeit dieser Menschen. Mehrere Männer und Mädchen gingen nun herum und verteilten kleine Tüten mit Weintrauben. Andere verteilten kleine Gläser mit Sekt. Seltsam. Wozu die Trauben? 9 Stück waren in jeder Tüte. Wie wir dann merkten, waren die für den Countdown: Zehn, neun, acht, sieben, sechs, fünf, vier, drei, zwei, eins, Prosit Neujahr! Mit vollem Traubenmund! Wir lachten herzhaft.

Innerhalb einer Stunde war die schönste Silvesterparty gestartet, die ich je erlebt habe! Wir fühlten uns reich beschenkt. Mein Tanzbein zuckte immer mehr. Mein Partner aber war alles andere als ein Tänzer. Doch irgendwann hatte ihn die Freude, die heiße Musik und meine Fröhlichkeit (eben auch allein so vor mich hin zu tanzen) angesteckt. Es war sehr, sehr schön. Jedermann umarmte jeden, wir auch. Die Feier ging endlos so weiter. An den Tischen konnte man sich zu essen holen.

Gastfreundlich wurden wir einfach so als Fremde integriert. Toll!

Irgendwann waren die Füße müde und der Kopf beschwipst. Fröhlich suchten wir unser Quartier und fanden es sogar wieder.

Die Welt ist überall auf seine Weise schön! Zurück in der Heimat hatten wir noch lange zu erzählen von unseren Abenteuern auf Teneriffa.

I.W.




Autor: Cooper

Datum: 01.01.2010 - 01:00

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