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Geräusche aus der Dunkelheit

Es war der erste wärmere Tag im Frühling 1987. Ich war damals 19 Jahre alt und lebte noch bei meinen Eltern. Das Haus, ein Einfamilienhaus lag am Ortsrand unseres Dorfes.

Als ich an diesem Abend nach Hause kam, war kein Licht im Haus, alles war dunkel und ich erinnerte mich, dass meine Eltern bei Freunden eingeladen waren und sie gesagt hatten, dass sie erst spät zurück wären. Eigentlich liebte ich die Stille im Haus, wenn ich alleine war. Die vertrauten Geräusche, das Ticken der Wanduhr und wie herrlich es aussah, wenn das Mondlicht den langen Flur erhellte. Auf dem Weg in mein Zimmer blieb ich stehen und den Augeblick zu genießen. Doch an diesem Abend war irgendetwas seltsam, regelrecht unheimlich und anders. Ich sprach mir selber Mut zu, beschloss mir nicht selbst Angst zu machen und ging dann leise weiter. An der Kellertreppe blieb ich ein weiteres Mal stehen. Was war das? Hatte ich ein Geräusch gehört? Mir stockte der Atem und ich horchte angespannt die dunkle Kellertreppe hinunter. Wieder das Geräusch, also hatten meine Sinne mich doch nicht getrübt. Zuerst ein Knistern, dann ein Kratzen und Quietschen, ganz leise, aber dennoch gut wahrzunehmen. Dann war es wieder ganz still.

Was war das bloß? Die Geräusche kamen ohne Zweifel aus dem Keller. War da jemand, oder bildete ich mir das alles doch nur ein? Erneut horchte ich in die Dunkelheit. Das Einzige was ich nun noch hören konnte war mein eigener Herzschlag. Das Herz schlug mir bis zum Hals.
Und dann tat ich etwas, worüber ich heute noch staune, dass ich den Mut dafür aufgebracht habe. Hinter dem Vorhang an der Kellertreppe stand der Stab, mit dem man die Leiter zum Dachboden erreichen kann. Ohne weiter zu überlegen griff ich nach ihm und schlich so bewaffnet die Treppe hinunter. Die Treppe schien endlos. Die Tür zum Kellerflur stand offen und unten angekommen hörte ich das Knistern und Rascheln nun ganz deutlich. Es kam vom Ende des Kellerflures, wo sich unsere Garage befand. Also doch keine Einbildung. Das hier war echt!

Ich musste wissen, was da hinter der Tür war. Ich war entschlossen, es mit Allem aufzunehmen, was mein schönes Zuhause bedrohte. Es gab kein zurück mehr. Immer fester hielt ich meine Waffe in beiden Händen. Mit erhobenem Stock riss ich die Tür zur Garage auf, auf alles gefasst. Ein schneller Griff an den Lichtschalter befreite mich aus der Dunkelheit.
Ein schneller Blick rundherum, doch die Garage war leer. Da war nichts. Kein Einbrecher, der hinter der Tür lauerte, nichts... Und nur einen Augenblick später wusste ich auch, was die Geräusche verursacht hatte, die mir solche Angst einjagten: Es waren meine Landschildkröten, die in der hinteren Ecke der Garage in einem alten Aquarium überwinterten. Durch das milde Wetter hatten sie ihre Winterstarre beendet und waren wach geworden. Das Kirschlaub, mit denen sie abgedeckt waren, war über den Winter getrocknet und raschelte laut bei jeder kleinsten Bewegung der Tiere. Das Quietschen kam durch die Krallen der Schildkröten, die an der Glaswand entlang rutschten.

So tauschte ich das Gefühl der Angst in Bruchteilen von Sekunden in das der Freude aus, denn es ist Jahr für Jahr (damals genauso wie auch noch 2009) etwas besonderes, wenn nach einem langen Winter das Leben wieder erwacht.




Autor: justunique

Datum: 01.01.2010 - 01:00

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